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26. September 2025
Artikel
Die schnelle und genaue Erkennung einer durch Gruppe-A-Streptokokken (GAS) verursachten Pharyngitis gewinnt angesichts der erneuten Zunahme von GAS-Infektionen, einschließlich invasiver Erkrankungen, nach der COVID-19-Pandemie zunehmend an Bedeutung. In einem umfassenden Übersichtsartikel, der in Expert Review of Molecular Diagnostics,1 veröffentlicht wurde, erläutert Scott M. Sugden, Ph.D., Sr. Director of Medical Affairs at Cepheid Canada, inwiefern molekulardiagnostische Tests einen bedeutenden Fortschritt beim GAS-Nachweis darstellen und warum jetzt der ideale Zeitpunkt für Gesundheitseinrichtungen ist, molekulare Tests für GAS-Pharyngitis einzuführen, insbesondere in POC-Umgebungen.
Das Redaktionsteam von Cepheid hatte die Gelegenheit, mit Dr. Sugden über seinen Artikel zu sprechen, um mehr über dieses wichtige Thema zu erfahren. Lesen Sie weiter, um mehr über wichtige Gesichtspunkte bei der Einführung molekularer Tests zu erfahren, einschließlich praktischer Lösungen für häufige Probleme bei der Umsetzung wie Budget, Schulung, Infrastruktur und klinische Validität.
F: Dr. Sugden, warum ist eine schnelle und genaue Diagnose von GAS-Pharyngitis für Gesundheitsfachkräfte heute besonders wichtig?
A: Eine schnelle Diagnose der GAS-Pharyngitis würde sich auf vielfache Weise auswirken. Sie ermöglicht es Ärzt/innen, rechtzeitig eine angemessene Antibiotikatherapie einzuleiten. Dies verringert das Risiko schwerwiegender Komplikationen der Infektion. z. B. das akute rheumatische Fieber und die rheumatische Herzkrankheit, und kann dazu beitragen, eine weitere GAS-Übertragung zu verhindern. Eine verringerte Übertragung könnte die Gesamtbelastung durch GAS in der Bevölkerung senken, was auch Fälle von schweren invasiven GAS-Infektionen reduzieren könnte. Eine zuverlässige Diagnose reduziert auch den unnötigen Einsatz von Antibiotika und verringert somit die Gefahr von Antibiotika-Resistenzen.
F: Welche Einschränkungen haben traditionelle GAS-Testmethoden?
A: Die traditionelle Kulturmethode ist zwar sehr zuverlässig, es dauert jedoch bis zu 48 Stunden, bis die Ergebnisse vorliegen, was die notwendige Behandlung verzögern könnte. Antigen-Schnelltests, die GAS-Proteine erkennen, bieten schnellere Ergebnisse, können jedoch aufgrund der geringeren Sensitivität falsch-negative Ergebnisse liefern.
F: Wie unterscheidet sich der molekulare GAS-Test von herkömmlichen Diagnosemethoden?
A: Beim molekularen GAS-Test müssen medizinische Fachkräfte keine Kompromisse eingehen. Durch die Kombination der hohen Sensitivität kulturbasierter Verfahren mit der schnellen Durchlaufzeit und Einfachheit von Antigen-Schnelltests können molekulare Tests auf GAS-Pharyngitis zu einer effektiveren und zeitnaheren Behandlung führen. So können die Gesamtinfektionen durch GAS gesenkt und GAS-bedingte Morbiditäten reduziert werden. Gleichzeitig trägt das zur Bekämpfung der Antibiotika-Resistenz bei, indem insgesamt weniger unnötige Antibiotika verschrieben werden.
F: Inwieweit eignen sich molekulardiagnostische Tests für POC-Umgebungen?
A: Molekulardiagnostische Tests sind ideal für POC-Umgebungen. Gleich mehrere molekulare Tests sind speziell für den POC-Einsatz zugelassen, ohne dass eine Bestätigung negativer Ergebnisse mittels Kultur empfohlen wird. Das bedeutet, dass Sie ein schnelles und verantwortungsbewusstes „Test- und Behandlungsmodell“ anbieten können, bei dem Patient/innen ihre Ergebnisse erhalten und bei Bedarf mit einem Rezept nach Hause gehen können – alles im Rahmen eines einzigen Arztbesuchs. Dies ist besonders wichtig, um Hindernisse für die Gesundheitsversorgung in abgelegenen Gebieten abzubauen.
F: Warum ist die Dezentralisierung des GAS-Tests in geografisch abgelegenen Gebieten besonders wichtig?
A: Es ist eine Frage der gesundheitlichen Chancengleichheit. Einige der höchsten GAS-Infektionszahlen und damit zusammenhängende Komplikationen finden sich in geografisch abgelegenen Gebieten. Und viele abgelegene Regionen mit hohen Infektionszahlen beherbergen signifikante indigene Bevölkerungen. Wir müssen sicherstellen, dass alle Zugang zur bestmöglichen Versorgung haben. Die Implementierung des GAS-Tests muss kulturelle Aspekte in die Planung einbeziehen. Der Aufbau von Partnerschaften mit lokalen indigenen Führungsverantwortlichen zwecks kultureller Verantwortung wird von entscheidender Bedeutung sein.
F: Was sind die größten Hindernisse für eine verantwortungsvolle und flächendeckende Einführung molekularer GAS-Tests?
A: Die Technologien für molekulare Tests auf GAS-Pharyngitis sind einsatzbereit und verfügbar, aber viele der Begleitfaktoren, die für eine verantwortungsvolle Umsetzung dieser Technologien erforderlich sind, hinken hinterher, insbesondere in POC-Umgebungen. Regierungen und Gesundheitsorganisationen müssen die Finanzierung und Anreize bereitstellen, um die Einführung zu erleichtern. Auch müssen sie die erforderlichen Transport- und Strominfrastrukturen schaffen, damit Tests insbesondere in abgelegenen Regionen flächendeckend angeboten werden können. Die Richtlinien der medizinischen Fachgesellschaften müssen aktualisiert werden, um die Anwender/innen molekularer Tests über bewährte Verfahren aufzuklären.
F: Wie steht es um die finanziellen Bedenken von Gesundheitseinrichtungen rund um die Einführung molekularer GAS-Tests?
A: Es kann sein, dass sie anfangs in die Beschaffung molekularer Testgeräte investieren müssen. Aber an vielen Standorten sind die während der SARS-CoV-2-Pandemie verwendeten Gerätschaften bereits vorhanden, was den Bedarf an neuen Kapitalausgaben erheblich reduziert. Und obwohl die Kosten pro Test bei molekularen Tests im Vergleich zu Antigen-Schnelltests in der Regel höher sind, können Gesundheitssysteme durch die Vermeidung von Komplikationen und unnötigem Antibiotikaeinsatz unterm Strich sparen.
F: Inwieweit müssen Gesundheitseinrichtungen ihr Personal schulen, um reibungslos auf molekulare Tests umzustellen?
A: Viele molekulare Tests werden als Tests mit geringer Komplexität eingestuft, die CLIA-befreit sind oder patientennah durchgeführt werden können und nur einen minimalen Schulungsaufwand erfordern. Außerdem lassen sich die Kenntnisse aus Antigen-Schnelltests und Kulturtests, wie z. B. die Entnahme von Abstrichen, mühelos auf molekulare Tests übertragen, was die Durchführung selbst in nicht-traditionellen Laborumgebungen wie Apotheken vereinfacht.
F: Wie lassen sich Herausforderungen im Qualitätsmanagement in POC-Umgebungen effektiv angehen?
A: Ich denke, dass Lösungen, die für SARS-CoV-2-Tests während der COVID-19-Pandemie entwickelt wurden, wertvolle Präzedenzfälle bieten. Viele bestehende Netzwerke für molekulare Tests, die für SARS-CoV-2-Tests eingerichtet wurden, können für GAS-Tests angepasst werden. Es braucht lediglich minimale Anpassungen der Verfahren und Qualitätsprogramme. Regierungen und andere Behörden sollten ihre Richtlinien um molekulare Tests erweitern und klare Empfehlungen zu Qualitäts- und Datenmanagementpraktiken für POC-Einrichtungen aussprechen. Auch das ist besonders wichtig in abgelegenen Gebieten.
F: Abschließende Gedanken zur zukünftigen Implementierung von molekularen GAS-Tests?
A: Molekulare Tests repräsentieren den neuesten Stand der Technik zum Nachweis der GAS-Pharyngitis, indem sie Zuverlässigkeit, Geschwindigkeit und Benutzerfreundlichkeit vereinen. Mit den kontinuierlichen Fortschritten in der Testtechnologie und der unterstützenden Infrastruktur sowie den notwendigen Aktualisierungen der Richtlinien sollten Gesundheitseinrichtungen proaktiv auf eine umfassende Einführung von molekularen Tests hinsteuern. Das molekulare Zeitalter für GAS-Tests ist zweifellos angebrochen und es verheißt bedeutende klinische und gesellschaftliche Vorteile.
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