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Im Kampf gegen Atemwegsinfektionen ist eine schnelle Antwort nicht immer die richtige. Antigen-Schnelltests (RATs) sind aufgrund ihrer schnellen Ergebnisse und Benutzerfreundlichkeit sehr beliebt geworden. Diese Tests können spezifische Proteine, sogenannte Antigene, auf der Oberfläche eines Virus erkennen und innerhalb von Minuten Ergebnisse liefern. Doch laut einem kürzlich erschienenen Review in Microorganisms1 geht dieser Komfort auf Kosten der Zuverlässigkeit. Und in Krankenhäusern kann dieser Kompromiss schwerwiegende Folgen haben.
Julio Garcia-Rodriguez und seine Kollegen haben SARS-CoV-2, Influenza A und B sowie RSV untersucht – allesamt Viren, die schwere Erkrankungen verursachen können, und im Falle von SARS-CoV-2 und Influenza ein hohes Pandemiepotenzial aufweisen.
Eine wichtige Statistik aus der Studie war, dass RAT bei geringen Viruslasten eine Sensitivität von unter 30 % aufweisen. Oder, in konkreten Zahlen: 7 von 10 Infektionen mit geringer Viruslast könnten unentdeckt bleiben. Dies ist zweifellos ein Grund zur Sorge, weil 20–30 % der Patient/innen, die mit Atemwegsinfektionen in die Notaufnahme kommen, eine geringe Viruslast aufweisen.1
Wenn es darum geht, Infektionen mit geringer Viruslast im Frühstadium nachzuweisen, schneiden RAT schlecht ab, während PCR-Tests glänzen. Die Viruslast variiert je nach Krankheitsstadium, Impfstatus, Probenqualität und Virusvarianten, die die Anzahl und Art der vorhandenen Antigene beeinflussen. Im Gegensatz zu RAT kann der Multi-Target-PCR-Test mehrere Teile des genetischen Codes des Virus nachweisen und behält seine Leistungsfähigkeit auch bei geringen Konzentrationen, wie sie in der klinischen Versorgung üblich sind, bei.
Eine große Meta-Analyse ergab, dass POC-RAT SARS-CoV-2 mit nur 70,6 % Sensitivität nachgewiesen haben und fast ein Drittel der Fälle unentdeckt blieb.2 Im Gegensatz dazu erreichten molekularbasierte POC-Tests Sensitivitäten von 92,8 %.2 Bei Influenza zeigte eine andere Studie, dass RAT nur 54,4 % der Influenza-A- und 53,2 % der Influenza-B-Fälle nachweisen konnten3 – kaum besser als ein Münzwurf für ein Virus, dem die meisten Experten für Infektionskrankheiten eines der größten Pandemierisiken nachsagen.
Garcia-Rodriguez et al. verweisen auf Daten, die zeigen, dass POC-PCR-Tests (mit dem GeneXpert® System) Sensitivitäten von 97,2 % für SARS-CoV-2 und über 95 % für Influenza A und B sowie RSV erreichen.1
Die Ergebnisse von Garcia-Rodriguez und Kollegen untermauern, warum sich die europäischen Leitlinien bei Atemwegsinfektionen in der Primärversorgung stark auf PCR-Tests und nicht auf Antigentests stützen. Nicht nachgewiesene Infektionen bedeuten verpasste Behandlungsfenster, schlechtere Behandlungsergebnisse und eine größere Ausbreitung. Ein frühzeitiger Nachweis ist entscheidend, um die Übertragung einzudämmen, insbesondere in Krankenhäusern, wo ein einziger Fall zu einem nosokomialen Ausbruch führen könnte.
Tests mit geringer Sensitivität bergen nicht nur ein klinisches Risiko, sie führen auch zu einer erhöhten Belastung durch wiederholte Tests. Die Ergebnisse einer Studie mit mehr als 263.000 Patient/innen, die auf SARS-CoV-2 und Influenza getestet wurden, zeigten, dass diejenigen, die zunächst einen Antigentest machten, mit mehr als viermal höherer Wahrscheinlichkeit am selben Tag zusätzliche Tests durchführen mussten als diejenigen, die gleich einem molekularen PCR-Test unterzogen wurden.4 Das bedeutet mehr Zeitaufwand, mehr Personalaufwand, mehr Geräte und mögliche Verzögerungen bei der wirksamen Behandlung.
In der Atemwegsdiagnostik gefährden schnelle, aber ungenaue Tests die Patientensicherheit, begünstigen die Übertragung von Infektionen und verschwenden Ressourcen. Damit Gesundheitssysteme für drohende Pandemien gewappnet sind, ist es unerlässlich, über robuste und präzise Diagnosewerkzeuge zu verfügen, die jederzeit einsatzbereit sind. Im Kampf gegen Atemwegsinfektionen nützt eine schnelle Antwort wenig, wenn sie falsch ist.
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